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09.09.07
SWR 3 Pop im Hafen
Julia
Langsam neigt sich der Sommer und die Festivalsaison dem Ende zu. Doch das wollte der Radiosender SWR3 noch nicht ganz wahr haben und beging am Samstag den 25.08.07 noch einmal ein Sommerfest der Superlative!
Ursprünglich als Location ein Schiff
geplant, merkten die SWR3 Verantwortlichen schnell, dass dieses Festival etwas
größer werden könnte und entschieden sich weise, die ganze Veranstaltung in
Mannheims Musikarena im Hafen steigen zu lassen! Wo am Freitag schon tausende
feierten, sollte dann tags drauf ein Konzert mit viel versprechendem LineUp die
Stimmung im Hafen zum kochen bringen: Wallis Bird, Revolverheld, 2Raumwohnung,
Sunrise Avenue und Wir sind Helden!
Mit einem fast Heimspiel legte die
quirlige Wallis Bird samt Band einen lässigen Einstieg hin, der neugierig auf
mehr Musik von diesem blonden 1.55m großen Energiepaket machte. Die gebürtige
Irin, die auch ein Semester an der Mannheimer Popakademie studierte, verstand es
das Publikum mit ihrem Charme und einer fulminanten Stimme zu begeistern. Leider
waren mir und den meisten Besuchern die Songs völlig unbekannt, so dass man
„nur“ mitwippen und genießen konnte, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat.
Manch einem Musikkenner wird wohl aufgefallen sein, dass die 24-jährige eine
Rechtshändergitarre auf links spielt, quasi einfach umdreht ohne(!) die Seiten
umzuspannen, was für mich schon allein eine unglaubliche Leistung ist. Wenn man
dann noch hört, dass Wallis bedingt durch eine zu enge Bekanntschaft mit einem
Rasenmäher als Kind alle Finger der rechten Hand abgetrennt wurden und nur 4
davon wieder angenäht werden konnten, ist man vollends begeistert von ihrer
Fähigkeit allen Winden zu trotzen und diese unglaublich schöne Musik zu
kreieren. Ihr Album Spoons erscheint Ende September und ist für jeden
Folkrock-Fan ein muss!
Weiter ging`s mit den fünf Jungs von
Revolverheld, die schon sehnlichst von ein paar hundert Mädels in den
ersten Reihen erwartet wurden, und zu meiner Verwunderung auch von den etwas
älteren Semestern. Revolverheld scheinen sich wohl inzwischen mit Erfolg
eine gemischte Fanbase aufgebaut zu haben, die es durchaus versteht zu rocken!
Mit „Rock`n' Roll“ legten Kristoffer, Niels, Jo, Jakob und Flo mächtig los,
sodass einem gar keine andere Wahl blieb als kräftig abzufeiern. Bei Songs wie
„Arme hoch“ und „du explodierst“ verausgabte sich nicht nur die Band vollends,
so dass die Akustik Versionen von „Mit dir chillen“ und der neuen Single
„Unzertrennlich“, bei der auch mal Schlagzeuger Jakob in den Vordergrund rücken
durfte, eine wahre Wohltat brachten. Mit „Freunde bleiben“ und „Ich werd die
Welt verändern“ verabschiedeten sich die Jungs dann unter großen Jubel und
hinterließen ein aufgekratztes Publikum das am liebsten gleich weiter gerockt
hätte, was ihnen jedoch verwehrt wurde, einerseits durch die extrem langen
Wartezeiten zwischen den Bands und dem nicht ganz optimal gestalteten Auftritt
der folgenden Band:
2Raumwohnung - aktuell in den
Charts unterwegs mit ihrem Remix Album „36°“ wollten sie dieses natürlich auch
präsentieren. Allerdings passten die elektro/technolastigen Songs weder zur
Stimmung noch zum anwesenden Publikum. Auch ich als 2Raumwohnung-Fan war
ziemlich enttäuscht, wobei dies einfach auch an der Zeit- und Songwahl lag.
Selbst die Sängerin Inga Humpe vertröstete bereits nach dem zweiten Song, dass
die nächste Band wohl gleich kommen würde, was für mich den Eindruck erweckte,
sie selber hätte auch keine Lust, würde es jetzt aber durchziehen. Eine handvoll
Fans schienen wohl doch bis in die vorderen Reihen durchgedrungen zu sein, die
mit Zwischenrufen versuchten, die Stimmung etwas anzuheben und neben mir tanzte
sich ein Mitt-50ern Wolf, was auch von Inga gesehen und mit einem Lächeln
kommentiert wurde. Zwei Highlights gab es dann doch in der „Performance“, zum
einen als zu “Ich+Elain“ etwa zehn Mädels auf die Bühne geholt wurden um dort
die „beste Freundin“ darzustellen – was aber nach wenigen Minuten auch schon
wieder zur Langeweile mutierte, da Händchen halten, rumspazieren und „Hintern“
ins Publikum halten nicht gerade beeindruckten – und zum anderen als die „Miss
Freie Liebe Pop im Hafen 2007“ gekürt wurde. Was zum Teufel ist die Miss Freie
Liebe? Der Song ist mit wohl bekannt und worum es darin geht ist ja im Titel
schon beschrieben ...endlich schien die ganze Sache spannend zu werden! Die
Sängerin gab bekannt, dass bei diesem Lied wohl immer eine junge Dame aus dem
Publikum erwählt werden würde um mit Schlagzeuger Daniel während des Songs die
Freie Liebe zu zelebrieren! Mit anderen Worten : Die Auserwählte würde fünf
Minuten lang knutschen! Ein Raunen ging durch die Menge, dann ungläubiges
Lachen, dann Klatschen und als es wirklich auch der letzte der 30000 Besucher
verstanden hatte, was da gleich passieren würde, begann sich die Stimmung zu
heben und alle warteten gespannt wer denn die Glückliche sein würde! Marina hieß
die blonde Schönheit und wurde ihrem Titel wirklich gerecht – sie knutschte was
das (Schlag-)zeug hielt und Daniel schien das auch zu genießen! So wurde der
Ende des Auftritts mit dem Song „36°“ doch noch zu einem gelungenen Abschluss.
Denn ein großes Highlight kündigte
sich an: Der Erste Auftritt von Sunrise Avenue in Deutschland nach der
Trennung von Janne Kärkäinen mit neuem Gitarristen! Die ersten Reihen, wie
gewöhnlich mit finnischen Flaggen und Plakaten ausgestattet und kreischend, was
das Zeug hielt, empfingen „ihre“ Jungs, die ausnahmsweise einmal gemeinsam auf
die Bühne kamen und mit „Choose to be me“ dem Publikum einheizten, mit tosendem
Applaus. Die Anspannung war allen Bandmitgliedern sichtlich ins Gesicht
geschrieben. Erst nach zwei weiteren Songs schienen sie zu registrieren, dass es
dafür gar keinen Grund gab. Das Publikum ging von Anfang an mit und Sänger Samu
Haber kommentierte dies mit: „Why is it always the German audience, that jumps
and sings louder than every other audience in the world???!“ und mit einem
breiten Grinsen im Gesicht widmete er sich der nächsten in Deutschland
veröffentlichten Single „Heal me“. Feuerzeuge wurden gezückt – Gänsehautfeeling.
Die „helping hand“ Riku Rajamaa, unter anderem bekannt als Ex-Gitarrist der finnischen Eurovision Song Contest Teilnehmerin Hanna Pakarinnen, wirkte zwar noch etwas unsicher und wackelig im Zweitstimmengesang, machte seine Sache aber dennoch sehr gut. Bei ihrem größten Hit „Faiytale gone bad“ sangen sich 30 000 Kehlen die Seele aus dem Leib und verabschiedeten die Finnen, die leider aus Zeitgründen auf einige Songs verzichten mussten unter gewohntem Jubel. Eine Live Band wie sie im Buche steht – Feuerprobe definitiv bestanden!
Zum Abschluß des Festivals stand
noch eine der erfolgreichsten deutschen Bands in den Startlöchern! Wir sind
Helden gaben sich die Ehre und heizten gleich mit „Kein Grund zur Panik“
richtig ein.So wurde die berechtigte Frage von Judith Holofernes „Könnt ihr
überhaupt noch?“ mit Jubel abgetan und mündete gleich in den Hit „Von hier an
blind“. Irgendwas muss Judiths Gitarre dabei wohl missverstanden haben, denn sie
streikte.“. Ich kann euch auch was vortanzen“ witzelte die Sängerin aber nach
einigen Minuten war das Problem auch schon wieder behoben um rasant mit dem
nächsten großen Helden-Song „Gekommen um zu bleiben“ aufzuwarten.
Hierbei ein großes Kompliment an das Bläser Trio „Die Piloten“ die das Big Band feeling des Songs Wirklichkeit werden ließen!Nach „ich will da sein“ und „Ausser dir“ gestand die Sängerin, dass sie nun doch etwas nervös sei „kann ja keiner ahnen dass ihr wirklich 30 000 seid“ und kündigte eines ihrer neuen Lieder von dem aktuellen Album „Soundso“ an, „Kaputt“das wie sie voraussagte von Null auf Platz eins der SWR3 Hörer Charts landen würde! Weiter hauten uns die Helden ihre besten Songs in fantastischer Live-Qualität um die Ohren: „Müssen nur wollen“, „Soundso“, „Aurelie“ und „Nur ein Wort“.
Der beste Moment des Abends, Tages, nein des ganzen Festivals ereignete sich für mich beim letzten Song „Denkmal“. 30 000 Menschen stehen, klatschen, singen und schreien voller Euphorie „Hol den Vorschlaghammer!...sie haben uns ein Denkmal gebaut und jeder Vollidiot weiß, dass das die Liebversaut...!“ keine Musik, nur Stimmen. Mit diesem Auftritt haben sich sowohl Fans als auch Wir sind Helden ein Denkmal gesetzt!
Bilanz: kleine Unstimmigkeit in der Reihenfolge der Bands, die Moderatoren hätte es nicht gebraucht, gute Live Auftritte, zu lange Wartezeiten zwischen den Bands und super Location am Hafen. Fazit: Ich will zurück!!!
TV- Ausstrahlungen: 15.09.07
„Revolverheld“ SWR3 0.05 Uhr
22.09.07 „2Raumwohnung“ SWR3
0.05 Uhr
01.12.07 „Sunrise Avenue“ SWR3 0.05
Uhr
08.12.07 „Wir sind Helden“ SWR3 0.05
Uhr
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