A2M Thema
27.10.07
Die Majors als Buhmann? Die andere Seite der Geschichte
Kat & Julsche
In den letzten Wochen berichteten wir über das Gerichtsurteil gegen Jammie Thomas, die wegen angeblichen Filesharings zu $222.000 verurteilt wurde. Im Interview mit A2M beteuerte die Alleinerziehende ihre Unschuld, hunderte Musikfans stehen auf ihrer Seite und kritisieren das Verhalten der Musikindustrie. Aber was halten die Mitarbeiter der großen Labels eigentlich von der Sache? Eine Produktmanagerin eines Majorlabels gab uns ein kurzes Statement:
"Grundsätzlich
ist es heute so, dass gerade die junge Generation mit Musik aufgewachsen ist,
die einfach verfügbar ist - wie die Luft zum Atmen oder der Apfel, den man sich
einfach vom Baum nehmen kann, denn er hängt ja dort.
Daher machen sich die Menschen zu wenig Gedanken darüber, was dahinter steckt.
Eine Band muss ein Studio mieten, um ein Album aufzunehmen. Die CDs müssen
hergestellt werden und schlussendlich müssen physische CDs sowie Downloads, die
später bei iTunes, Musicload, AOL etc verkauft werden, auch vermarktet werden.
Die Vermarktung und der Vertrieb erfordert Manpower und die Menschen dahinter,
und das sind nicht wenige, müssen bezahlt werden, um zu leben.
Einen Download-Track gibt es für 99 Cent, ein Album für 9,99 € - wenn das keine
Schnäppchen sind...
Dass Jamie Thomas nun tief in die Tasche greifen muss, ist natürlich eine
unangenehme Sache. Wenn man sich aber vorstellt, dass jemand ein Gemälde in
einer Galerie klaut, kommt man zum gleichen Ergebnis - es ist illegal und
strafbar.
Der Medienhype in diesem Fall kommt der Musikindustrie zwar nicht zu Gute, da
die Branche wieder einmal sehr negativ dargestellt wird, dennoch ist meine
Hoffnung, dass sich einige wenige Gedanken um den Entstehungsprozess von Musik
machen und einsehen, dass ein tolles Album eben seinen Wert hat.
Insofern kann ich die Nachverfolgung bei der Piraterie nur befürworten, denn
sonst bin ich, neben vielen Kollegen und Künstlern, auch demnächst
arbeitslos..."
Fazit für den Augenblick: Ohne Plattenlabels, egal ob groß oder klein, wäre es weit weniger leicht an Musik zu kommen. Auch wenn die Firmen nicht immer gerecht sind und äußerst kontrovers handeln mögen, so sollte man nicht pauschal sagen, Major=schlecht, Musikfan=gut. In der Sache um Musikpiraterie alles nur schwarz und weiß zu malen ist Blödsinn.
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