A2M Buchtipp
Lothar Scholz - Die
Musikbranche
Ausbildungswege und Tätigkeitsfelder
Kat
Die
Musikindustrie ist gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen "In". Bei
einem Label zu arbeiten ist "cool" und spannend. Was genau dahinter steht, wer
wofür zuständig ist und vor allem wie man eigentlich einen Fuss in die Tür
bekommt, versucht Lothar Scholz in seinem Buch aufzuzeigen. Dabei wird stets
darauf hingewiesen, dass der Arbeitsmarkt mehr als hart umkämpft ist und in
vielen Bereichen eher Stellen gestrichen als geschaffen werden. Scholz
berichtet, dass die 4 Majors jährlich insgesamt nur 7 neue Ausbildungsplätze
anbieten. D.h. etwas mehr als ein Lehrvertrag pro Unternehmen wird geschlossen,
Hunderte von Bewerbungen bleiben dementsprechend erfolglos.
Das Praktikum beschreibt der Autor stets als "Königsweg", was bei kurzer
Überlegung aber fraglich sein dürfte. Im Normalfall werden Praktikanten bei
größeren Verlagen, Agenturen oder Plattenfirmen nicht kürzer als 6 Monate
verpflichtet. Meist verdienen diese Kräfte nichts, obwohl sie genauso arbeiten
und Miete zahlen müssen, wie jeder andere auch. Wie soll man es sich als Student
also leisten können ein halbes Jahr lang für lau zu arbeiten? Leider gibt Scholz
und keiner seiner eigentlich interessanten Interviewpartner eine Antwort darauf.
Das liebe Geld spielt auch bei den privaten Institutionen, wie der ebam Akademie
oder der Popakademie eine große Rolle. Von nichts kommt nichts. 500,-Euro zahlt
man pro Semester an der Mannheimer Vorzeigeeinrichtung, bis zu 11.000,-Euro
kosten 3 Jahre am Berliner Institut L4 für die Ausbildung zum Veranstaltungs-
oder AV-Kaufmann*.
Nichtsdestotrotz erklärt und beschreibt der Autor idiotensicher die gängigen
Berufsbilder der Musikindustrie, vom A&R Manager bis zum Musikalienhändler.
Vielen der Berufsbezeichnungen fehlt es an auf sie zugeschnittenen Ausbildungen
oder Studiengängen, Scholz erwähnt jedoch immer welche Studienrichtung auf die
jeweilige Karriere am ehesten vorbereitet.
Das Buch ist klar strukturiert und einfach zu verstehen. Selbst einfachste
englische Begriffe, die obligatorisch für die Arbeit im Musikbusiness sind,
übersetzt und erklärt Scholz. Zusammenfassungen von wichtigen Adressen und Daten
zu jedem Kapitel lassen den Leser alles schnell nachschlagen. Ein Kapitel zu
Finanzierungsmöglichkeiten wäre wünschenswert gewesen, ebenso wie eine
kritischere Behandlung des Themas Praktika. Trotz dieser kleineren Mängel ist
das Buch von Lothar Scholz allen, die sich mit dem Gedanken tragen einen Fuss
hinter die Kulissen der Musikwelt zu setzen sehr zu empfehlen.
*Kaufmann für audiovisuelle Medien
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