Ganz
kurzfristig, ich war gerade beim Schuhe kaufen, kam die Nachricht,
dass wir in wenigen Minuten die Low Voltage Show von The BossHoss im
Gewandhaus sehen werden. Mit dem Haus verbindet man als (Wahl-)
Leipziger vor allem klassische Musik, ein grandioses Orchester und
aufgebrezelte ältere Leute. Kaum vorstellbar, wie da die wilden
Berliner und ihre Cowboymäßig gekleideten Fans reinpassen sollten.
Das machte es allerdings leichter, die Einweiser und Verantwortlichen
unter den rosafarbenen und plüschbezogenen Hüten aufzuspüren.
Die
Show begann dann auch eher merkwürdig anmutend. Alle saßen brav auf
ihren Plätzen, einige sogar in Abendgaderobe, und auf der Bühne
lief eine Rockshow ab. Keiner traut sich, aufzustehen. Und das zu
Recht, denn wenn es einer versuchte, waren die Aufpasser sofort zur
Stelle. So manche versuchten, sich mit Klatschen in Stimmung zu
bringen, aber sie hatten einen anderen Rhythmus als die Band drauf
und auch sonst wollte es nicht recht klappen.
Bevor
der zweite Song angespielt wurde, holten Boss Burns und Hoss Power
das Filmorchester Babelsberg auf die Bühne. Für die war es
sicherlich eine Ehre, in dem doch weltweit bekannten Haus spielen zu
dürfen. In ihren feinen Abendgarderoben nahmen sie mit ihren
klassischen Instrumenten hinter der Rockband Platz und ... warteten.
Überwiegend auf Bier, das dann auch bald von Techniker Pat verteilt
wurde. Hin und wieder durften sie ein paar Takte Musik spielen. Wenn
man dann im Vergleich einmal zu den Fantastischen Vier schielt, die
im Rahmen der MTV Unplugged Serie ihre besten Songs mit einem
Orchester einspielten, fragt man sich doch, ob hier vielleicht zwei
Konzerte zusammen gefallen sind. Vielleicht haben ja The BossHoss
vergessen, dass sie eine Low Voltage Show spielen wollten und nur
ausversehen mit ihrem Standardprogramm losgelegt.
Wie
zum Beweis folgen ruhigere Klänge. "Break Free" vom
aktuellen Album "Do or Die" klingt richtig gut in der low
voltage Version, auch wenn das Klangholz von Schlagzeuger Frank Doe
etwas unschön auffällt. Und "Gay Bar", ein Klassiker im
Repertoire der Cowboys, hat ebenfalls ein neues Gewand bekommen. An
der Schlagbox passte Frank Doe dann auch eindeutig besser zum Motto
des Abends. Noch besser wäre es gewesen, sie hätten den
gutaussehenden Mann zu uns auf die Empore gesetzt, Rusty Rocket einen
freien Abend gegönnt und dafür das Orchester mehr mitspielen
lassen.
Die
angereisten Fans wollten sich den Spaß aber nicht nehmen lassen und
wer den Platz hatte, tanzte. Definitiv zu selbst mitgebrachter Musik,
denn zu den Klängen von der Bühne unter uns passten die Schritte in
keinster Weise.
Während
wir auf dem trockenen saßen – die Bar hatte geschlossen –
verteilte Techniker Pat fleißig weiter Bier und Rotwein auf der
Bühne. Ganz edel mit Silbertablett und Tuch über dem Arm, aber
leider ohne Frack. Auch andere Mitglieder der Crew waren gut dabei
und so tanzte und sang zum Bespiel Lichtchef Margus mit hartem G auf
seinem Platz über dem Publikum um die Wette mit der Band.
Je
näher sich die Show dem Ende näherte, desto mehr Fans stürmten die
Treppen nach unten um aus der Show doch noch das zu machen, was es
eigentlich schon die ganze Zeit war: ein typisches BossHoss Konzert
mit Getanze, Gestampfe und Gejohle.